Glockenjubiläum

Weihnachten 1972 hat die evangelische Kirche im Spangenberger Stadtteil Bergheim zwei neue Glocken erhalten. Das Geläut kostete 12.000 D-Mark war am vierten Advent feierlich geweiht worden. 4000 D-Mark wurden gespendet.

Für die Menschen im Spangenberger Stadtteil Bergheim war Weihnachten 1972 ein Fest ganz besonderer Freude. Erstmals erklangen die zwei neuen Bronzeglocken der evangelischen Kirche, die am vierten Advent von Dekan Friedrich Seitz und Pfarrer Johannes Kühn feierlich geweiht worden waren. Beim Weihnachtsgottesdienst erinnert Pfarrerin Ilona Grenzebach an das erste Läuten vor genau 45 Jahren.

Eineinhalb Jahre hatten die Men-schen im Bergdorf oberhalb des Pfieffetales auf den Glockenklang verzichten müssen. Zur Konfirmation 1971, so erinnert sich Zeitzeugin Ingeborg Lichau, waren die alten Stahlglocken zum letzten Mal zu hören. Sie waren 1921 von Schilling & Lattermann in Apolda und Morgenröthe in den Tönen a und d gegossen worden.

Eisenhartguss nannte man kurz nach dem Ersten Weltkrieg dieses Material – Bronze gab es nicht. Aus Sicherheitsgründen hatte ein Glockensachverständiger der Landes-kirche die Klangkörper stillgelegt. In einem Gutachten sprach er von einem gefährlichen Zustand: Starker Rostfraß war die Ursache. Sobald die Glocken in Schwingung versetzt würden, könnten sich Ei-sensplitter lösen und Menschen gefährden.

In einer Gemeindeversammlung im Oktober 1972 rief Dekan Seitz die Bürger Bergheims auf, eine Aktion zur Beschaffung neuer Glocken zu starten: „Zum Christfest müssen die Glocken in Bergheim wieder läuten.”

In den Schlagtönen b und c wurden die Glocken bei Petit & Gebrüder Edelbrock im westfälischen Gescher gegossen.

Ingeborg Lichau kann sich noch gut an den Tag erinnern, als die neuen Glocken am Brunnen bei Familie Riemenschneider empfangen und dann von den Menschen zur Kirche begleitet worden. „Es war ein besonderes, feierliches Ereignis”, sagt die 75-Jährige, die Weihnachten ihren letzten Dienst als Küsterin hat – siehe weiteren Bericht.

„Wir waren alle froh, dass wir wieder Glocken hatten, mussten wir doch eineinhalb Jahre auf der vertrauten Klang verzichten”, erinnert sich Ingeborg Lichau an Weihnachten 1972. Und es war ein ganz anderer Klang, viel schöner und weicher als der der Stahlglocken.

„Das Weihnachtsläuten ist ein besonderes Läuten, weil damit Vo-freude und die Freude der Ankunft verbunden ist”, sagt Pfarrerin Ilona Grenzebach. Das Weihnachtsgeläut ist für sie auch ein Stück Hoffnung darauf, „dass der Frieden in die Welt hinein kommt”. Grenzebach: „Es läutet, um uns daran zu erinnern, uns auf den Weg zu machen zum Frieden in der Welt.” Auch deshalb, erläutert sie, würden Kinder schon im Kleinkinder-Gottesdient mit der Bedeutung der Glocken vertraut gemacht.

12.000 D-Mark haben die neuen Bergheimer Glocken gekostet. 4000 Mark wurden gesammelt, 2000 D-Mark gab die Landeskirche. 2000 Mark wurden aus dem Haushalt der Kirchengemeinde genommen. „Damit sind unsere letzten finanziellen Reserven da-hin”, sagte Pfarrer Johannes Kühn damals. 1500 Mark gab die Stadt Spangenberg dazu, und der Rest musste durch ein Darlehen finanziert werden. Bei der Glockenweihe erklärte Dekan Friedrich Seitz, der Kirchenkreis Melsungen werde Bergheim noch „helfend unter die Arme greifen”.

Von Manfred Schaake