Jungschar Obermelsungen baut Holzhäuser

Mit Säge, Zollstock und Hammer – Hütten zimmern für Gottes Schutz

Jungschar Obermelsungen baut Holzhäuser

Von Manfred Schaake

Während Kinder und Jugendliche auf dem Obermelsunger Sportplatz mit dem Ball trainieren, wird nebenan gesägt, gehämmert und gezimmert: Kinder der Jungschar Obermelsungen bauen sich ihr eigenes Hüttendorf. „Es sind alles tolle Kinder”, freut sich Diakon Hans-Günter Späth, der Initiator und Bauleiter. Die Hütten bleiben bis zum „Richtfest” mit Eltern und der Kirchengemeinde im September stehen, kündigte Späth im HNA-Gespräch an. Späth betreut 100 Kinder und 30 Jugendliche in Obermelsungen, Röhrenfurth, Schwarzenberg, Kirchhof und Kehrenbach.

Obermelsungen ist bereits das 16. Hüttendorf seit 2005. 2016 entstand in Röhrenfurth ein so genanntes Lutherdorf. In Obermelsungen sind die Jungschar-Kinder einmal mehr „mit großer Begeisterung” dabei, freut sich der Initiator: „Man spürt, dass das Ausgebremst-sein nach Corona vorbei ist und die Kinder wieder Freiheit atmen.” Für Späth ist es wichtig, Orte für Kinder zu schaffen, die ihnen jenseits von Druck und Leistung gut tun.

Die Kinder nageln nicht nur Hütten zusammen, sie sind auch musikalisch. Frei nach Uwe Lal singen sie: „Trau dich raus aus dem Haus, mach den Fernseher aus, wirklich live was erleben, kann’s nur in der Jungschar geben. Mit den Freunden Hütten bauen, sich verstecken, was entdecken, da hast du viel mehr davon, als vom Glotze-Marathon.” Das singen sie jeden Dienstag, wenn sie sich ab 14.30 Uhr zum Hütten-Projekt treffen.

Die rund 20 Kinder im Alter zwischen sieben und 14 Jahren gehen laut Späth „ganz schön behämmert” mit Hammer, Nagel, Säge und Zollstock ans Werk. Auch bei den Eltern kommt das gut an. „Das ist eine sehr gute Aktion”, sagt eine Mutter.

Wer den Diplom-Religionspädagogen Späth, den alle nur freundschaftlich „Günni” nennen, kennt, der weiß, dass er viele Mitstreiter begeistert. Und so scheint es auch in Obermeldungen zu sein. Dort hat man sofort den Eindruck, hier arbeitet ein gutes Team zusammen.

Nach der langen Corona-Pause und dem Gefühl auch für junge Menschen, lange „ausgebremst” und ausgegrenzt gewesen zu sein, genießt man die Freiheit in der Natur. Gemeinsam mit den Teamern Franziska Rose, Sebastian Schmidt, Fabian und Tom Lohr entsteht das Hüttendorf. Wobei sich „Günni” selbst als „behämmerter Holzwurm” bezeichnet. Das Holz steckt bei ihm irgendwie im Blut. Als junger Mensch arbeitete er im südlichen Siegerland im väterlichen Holzeinschlag-Unternehmen.

In Obermelsungen erlernen die Kinder mit Kopf, Herz und Hand spielerisch den Umgang mit Säge, Zollstock, Hammer und Nagel. Die zwei mal zwei Meter großen Holzhütten entstehen in Teams von zwei bis sechs Handwerkern. „Kinder brauchen Verstecke und Rückzugsorte jenseits von Druck und Leistung unter Gottes Schutz”, sagt Späth zum Hüttenprojekt. Zum Abschluss der Aktion trifft sich die Jungschar im September zum „Richtfest”. Nach einer Übernachtung mit Frühstück werden die Hütten dann abgebaut. Einige „wandern” in heimische Gärten.

Ein weiteres Outdoor-Erlebnis im Sommer bietet die Evangelische Jugend Melsungen-Land mit dem Jungschar-Sommerlager vom 30. Juli bis 8. August in Bosau am Plöner See.

Kontakt: Hans-Günter Späth, E-Mail: jungschar.mit.guenni@gmail.com

Bilder: Hans-Günter Späth