Weltgebetstag 2020

„Steh auf, nimm deine Matte und geh!“. In einem ermutigenden Gottesdienst durften wir in diesem Jahr das südafrikanische Land Simbabwe etwas näher kennenlernen. Zum Weltgebetstag 2020 fand am 6. März ein Festgottesdienst in der Mörshäuser Kirche statt.

Im Zentrum stand ein Bibeltext aus dem Johannesevangelium (Johannes 5, 2-9) über die Heilung eines Gelähmten. Die Frauen aus Simbabwe wollen mit ihrer Auslegung Menschen dazu motivieren selbst Wege des Aufbruchs und der Veränderung zu gehen.

 

Das Christentum erreichte Simbabwe im 14. Jh. durch englische Missionare und breitete sich seitdem aus, sodass sich heute beinahe 90 % der Bevölkerung dazu zählen. Im Land leben 16 Millionen Menschen, ein Großteil davon in der Hauptstadt Harare. Simbabwe ist gebeutelt: Misswirtschaft führte zu wirtschaftlichen Problemen und Inflation, viele Menschen können sich nur durch finanzielle Unterstützung von Verwandten aus dem Ausland über Wasser halten. Dabei ist es reich an Bodenschätzen und besitzt fruchtbares Land, was durch das grün in der Flagge symbolisiert wird. Doch Klimawandel, Korruption, fragwürdige Politik und Ausbeutung durch fremde Länder setzten das Land unter Druck, weshalb der einstige „Brotkorb“ des südlichen Afrikas nun in der Krise steckt. Zunächst hoffte die Bevölkerung durch die Absetzung des langjährigen Machthabers Mugabe auf Besserung, doch die Veränderung blieb auch mit dem neuen Präsidenten, Mnangagwa, aus. Auch heute noch beschränken Zensur und Unterdrückung der Opposition die Freiheit und erschweren den Weg der Veränderung. Zudem ist die medizinische Versorgung so schlecht, dass Menschen an eigentlich heilbaren Erkrankungen sterben. Auch wenn Mnangagwa wenig dagegen zu tun scheint, setzt unter anderem die EU auf den neuen Machthaber, da dieser vermehrten Einfluss in Simbabwe verspricht.

Trotz der sich scheinbar immer verschlechternden Lage der Nation, war der Gottesdienst von Hoffnung geprägt, die sich in der Dekoration in den Landesfarben grün, gelb, rot und schwarz und der Musik wiederspiegelte. Frauen aus Mörshausen und die Konfirmanden des Kirchspiels gestalteten gemeinsam einen lebendigen Abend und drückten damit auch ihre Solidarität mit den Frauen aus Simbabwe aus. Solidarität ist ein zentraler Gedanke des Weltgebetstages, der seit 70 Jahren in nun 120 Ländern zelebriert wird, und für die Frauen des Weltgebtstages aus Simbabwe sehr wichtig. Deshalb wurden die Gottesdienstbesucher dazu aufgerufen eine Petition für den Erlass der Schulden, die aus bisheriger Entwicklungszusammenarbeit zwischen Deutschland und Simbabwe entstanden sind, zu unterschreiben, um dieses Geld zum Ausbau des Gesundheitssystems verwenden zu können.

 

Zum Ausklang wurden im Gemeindesaal zu Mörshausen diverse Leckereien angeboten, an denen sich die mitgestaltenden Frauen aus Mörshausen versucht hatten. Darunter waren Hähnchen in Erdnusssoße, Rindergulasch mit Süßkartoffel, mit Sardinen gefüllte Tomaten, Hackbällchen in Sojasoße, mit Streuseln überbackener Apfel, Kartoffelsalat mit Bacon, Krautsalat mit Ananas und Sadza, das Hauptnahrungsmittel, ein Brei aus Maismehl.

Am Ende blieb das Gefühl von Licht am Horizont. Steh auf, nimm deine Matte und geh! Gott ruft uns auf die Perspektive zu wechseln und Veränderungen zu beginnen.

Die Frauen aus Simbabwe haben begonnen, offen über die Ungerechtigkeit im Land zu reden und damit Veränderung zu bewirken. Veränderung und Perspektivwechsel – auch oder gerade jetzt Ansätze, die belebend und tragend sein können.

Frederike Hertel